Bruno
Bussmann

PORTRAIT

1943   geboren aufgewachsen in Emmenbrücke
1950   in der 1.Klasse beschloss ich Lehrer zu werden. Ich würde dann selber immer eine grosse Wandtafel und bunte Kreiden zur Verfügung haben.
1958   Eintritt ins Internat
1963   Lehrpatent für Primarschulen

1964   Reise Tschechoslowakei-Polen-Russland-Finnland Dänemark

1965 – 68   Schule für Gestaltung Luzern, Lehrpatent für höhere Schulen

1968 – 69   Akademie St.Martins school of art and design, London
Auseinandersetzung mit Bildprinzipien der klassischen Kunst und der Populär- und Trivialkultur.

wenige Arbeiten dieser Zeit sind erhalten.
1969 –75   freischaffend in Holland, 
 3 Jahre „Ateliers 63“  Haarlem. Atelier in Zwolle. Atelier in Amsterdam 
 Auseinandersetzung mit Bild, Bildkonzeptionen, Installationen, Fotoarbeiten,  Super8  Filmsequenzen. grossformatige Malerei.
Ausweitung der Arbeit in den Spannungsfeldern der Tradition und den Brüchen durch die Grenzen der visuellen Wahrnehmung, vom Nichts zum Etwas, der Gestaltung, des menschlichen Seins.
Auseinandersetzung mit Zielen des Schaffens in Extrempositionen ….gute Arbeiten / schlechte Arbeiten / keine Arbeiten,  …im Atelier ohne „etwas zu tun“… .        Sonnenlichtskulpturen
Auseinandersetzung mit Bildinhalten und Lebensformen.
Entwicklung und Neuausrichtung der Lebensphilosophie.
Konzentration auf Erforschung und Entwicklung verschiedener Ebenen des Bildes und der Malerei. Thematiken wie Bild und Wahrnehmungszusammenhänge: innerhalb und ausserhalb, Erweiterungen und Grenzbereiche des Visuellen. 

Umsetzung der eigenen Lebenshaltung.
Einige vor allem fototechnisch realisierte und gespeicherte Werke sind erhalten.

1972   3 Monate Griechenland (Naxos) – Istanbul  – Rom
. Wo und wie findet Leben statt
1974  3  Monate mit Kristjan Gudmundsson in Island zur Realisierung : Grasboot und der 
 Askjaarbeiten
1975   Lehrauftrag an der Hochschule für Kunst und Design, Luzern:
 Zeichnung, Malerei,
eigene Unterrichtsinhalte:   Bild / Bildfindung.  Entwicklung und Strukturierung von Methoden der Bildfindung und der Förderung im visuell/gestalterischen Bereich.  Verhaltenstraining,  Tiefdruck als Transportmittel.. zeichnerische Fragestellungen

Professur
1976   Maureranlehre. Mitarbeit Siedlungsbau
1979   Heirat
1979   3 Monate Atelier in New York. Ausstellung Gallery Marina Urbach
1980  82  84   Geburt der Kinder:  Zaira, Christian, Rebekka
1979 – 83   Umbau / Sanierung des Bauernhauses mit Atelier in Römerswil in Eigenleistung. Weiterentwicklung und Ausweitung der Bildebenen. Einbezug anderer Bildfindungsmomente und Vorgehensweisen:  zur Erhaltung der Fantasie
1989   Umzug nach Stans.  Schulzeit der Kinder, freie Volksschule Nidwalden.
Bau eines Hauses in der Siedlung mit dem Schulhaus. Innenausbau in Eigenregie. Externes Atelier.  Weiterentwicklungen der unterschiedlichen Bildebenen mit verschiedenen Verhaltensweisen und in verschiedenen Medien.  teilweise parallel
1998   Scheidung. Umzug nach Luzern.  Atelier Bernstrasse
1999  3 Monate Cuba
 mit einer Gruppe StudentInnen
2005  Bau des Atelierhauses in Sempach.  Innenausbau in Eigenleistung.
  Beginn der Aufarbeitung entwickelter Bildebenen.
2006   Heirat
2008   Ende der Lehraufträge
2010   Werkverzeichnis.  umfassende Archivbereinigung.  Aufbau einer umfassenden webseite: www.brunobussmann.ch (aktuell reduzierte Neuorganisation 2020)
2017   Werkaufenthalt CEAC, Xiamen China. Chinesisch europ. art Center
Künsteraustausch Europa China / artists in residance 4 Monate.
Enormer Produktionsschub auf Grund der Bedingungen. Realisierungen .
2019   Werkaufenthalt CEAC, Xiamen China. Chinesisch europ. art Center
Künsteraustausch / artist in residance 3 Monate
.
Fortführung  der Realisationen. Neue Werkstoffe : Marmor, Schleiflack, Porzellan.

London  Gallery St. Martin
Amsterdam  Galerien: in out / Fignal / Galerie A / de appel (2016)
Luzern  Galerien: apropos / Partikel / Prosart / Hannelore Lötscher / Chäslager Stans / Tuttiart / Gestaltung von 2 Feldern am Bahnhofplatz
New York  Galerien: Marina Urbach / artists space
Reykjavik  the corridor
Sydney  gallery inhibodress
Xiamen  gallery CEAC, China 2018

2012  Neubeginn Ausstellungtätigkeit: Galerie TUTTIARTluzern
2015  Januar Galerie K25 Luzern Einzelausstellung
2016  de appel (the 70ties: in out center) Buch von Tineke Rijnders
2018  gallery CEAC, Xiamen, China

1971, 1975  Eidg. Kunststipendien
1972  Stipendium der Kiefer. Hablitzelstiftung / Preis der Presse Jahresausstellung Innerschweiz 

Öffentliche Ankäufe:
Stadt Amsterdam / Stadt Luzern / Kanton Luzern / UBS Emmenbrücke / Brüel + Kjär, Rotkreuz, Bodenplatten Bahnhofplatzgestaltung Luzern

ab 1975 Lehrauftrag in Teilpensen an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern: 

– Entwicklung einer Methodik für kreatives Verhalten. 
Überprüfung und Modifizierung an verschiedenen Schulstufen und Schultypen: Kindergarten bis Hochschule. 
Überprüfungen der Einsichten durch Transferierungen in Teilbereiche des verbalen Ausdrucks (Mitarbeit am Sprachbuchprojekt von Prof. Glinz)

ab 1983 Unterricht in den praktischen Arbeitsfeldern.
  Strukturierung der Arbeitsfelder
Zeichnung 
Farbe + Malerei
– visuelle Gestaltung / Ausdruck – Inhalt
–  Wege der Bildfindung Thematisierung und Fassung dieses eigenenAspektes

Entwicklungen des Sehens über Beobachtung :
–  was sehe ich
–  was kann / könnte ich sehen
Standpunkte / Standpunktwechsel / Bezugsdenken
Form / Zeichnung :    Prägnanz / Bindung und Trennung / Rhythmisierung..

Fragestellungen der Bildfindung :
– was mache ich daraus   – welche Elemente und Verhaltensweisen eignen sich für welche Ebenen

Farbe : Zusammenhänge von Bindung und Trennung, Intensivierung und Beruhigung
Materialität und Ausdruck

Aktivierung des Tiefdruckbereichs als Methode
– der Prozesshaftigkeit
und der
– Erkenntnisse der Gestaltungselemente
Flexibilitätstrainung

Professur

Beschäftigung mit Individualität und Kreativität gegenüber Subjektivismus.
 Hauptanliegen sind :
A.    –  die Förderung des Einzelnen in seiner Identität über die Erkenntnis seiner Anlage- und Verhal- 
             tensdisposition
und
B.    –  Einsichten in die massgebenden Komponenten der visuellen Gestaltung, deren Wirksamkeiten
             und wie sie den Inhalt  steuern oder bestimmen.  

 
Grundlegende Einsichten dazu in Verbindung mit der Münchner Rhythmenlehre.



Beschäftigung mit Gestalt / dem Wirkenden, der Wirklichkeit und seinen realen Erscheinungsformen.
Unterscheidung zwischen Darstellung und Bild.

MENTALITÄT

Je nachdem auf welchen Befindlichkeitsebenen ich mich bewege, welche Hirnverknüpfungen zum Zuge kommen, und welche gestalterischen Komponenten ich einbringe, zeitigt sich eine andere Form, ein anderes Resultat.

Die Form ist in meiner Auffassung vom Prinzip her die Folge einer Haltung, eines Bewegungsprozesses, nicht das Produkt eines intellektuell konstruierten Inhaltes oder Planes.


Die aus einer Lebensweise gewonnene Sehweise eröffnet Inhalte, die Lebenseinsicht zeitigt also die Form, das Produkt.
Umgekehrt ergeben sich in und aus den Gestaltungsprozessen heraus selbst wieder EinSichten, eröffnen sich Schichten, die sich auf die Lebenshaltung auswirken.
Aus dieser Haltung heraus ist es logisch, notwendig aber auch erst möglich, dass ich mich formal, medial und technisch auf ganz verschiedenen Ebenen bewegen kann … und muss.
Ich schöpfe meine Bilder und gleichzeitig mein eigenes Leben.
Ein wechselseitiger Prozess.


Wichtig ist für mich die Bewegung in den Prozessen, die Qualität der Aussagen, der Spass, die Beweglichkeit, auf welcher Ebene auch immer sie stattfindet.
Diese trainierte Mentalität muss letztlich Aussage, Einsicht und mögliche Lebensqualität auslösen. Möglicherweise kann diese Mentalität auch bei BetrachterInnen bestärkt oder gar in Gang gesetzt werden.

Ich kann keinen Anspruch erheben, dass ein/e BetrachterIn sofort oder überall die Ebenen wechseln können muss. Vielleicht ist meine Arbeit ein Beitrag zu einer Flexibilität im Umgang mit geistigen und optischen Kanälen.
Mich bereichert das permanent.
Ich bin und war also insofern selbst das Ziel meiner Arbeit. Jede andere Absicht wäre vermessen.
Das macht auch frei.

Der direkte Kontakt in einem Unterricht oder Gespräch ist eine andere Ebene.
Da kann ich Zusammenhänge  der Wirksamkeiten herstellen:
–   a.  innerhalb des zu betrachtenden Bildes und
–   b.  im Betrachter und damit seiner Wahrnehmung selbst.

Auf dieser Webseite versuche ich einige Ansätze der Zusammenhänge in  Bildern und meine Haltung der sie entspringen zu liefern.
Eine Kommunikation bedingt natürlich  aktiv in die inhaltlichen Bezugsfelder und die Ebenen der Gestaltung  eintretende, zumindest offene BetrachterInnen, damit sich die Empfindungs-, Denk- und letztlich sogar Verhaltensstrukturen öffnen, ein Zugang geschaffen werden kann. Reine Konsumhaltung oder Kunstideologie verhindert eine angelegte auslösende Erweiterung.

Meine Arbeit, die schöpferischen Prozesse an sich müssen vorerst frei sein von Absicht was Umgebung und Kunstumfeld also auch deren Anerkennung betrifft. Natürlich unlogisch für die Arbeitswelt und normale Berufe mit dem primären Ziel des Verkaufs von Können / Arbeitszeit usw.

Wenn von meinen Prozessen und den daraus resultierenden Einsichten etwas kommuniziert werden könnte, ist das mein Beitrag an die Welt des Individuums, der individuellen Lebensgestaltung.
Das wäre ein schönes Ergebnis der Arbeit, nicht jedoch meine Aufgabe.
Die kommunikative Aufgabe mochte ich durchaus, aber dann direkt als Lehrer, im (Er-) Öffnen von eigenen Ebenen bei den StudentInnen oder im Gespräch mit FreundInnen.
Das ist jedoch eine ganz andere Ebene als das Schaffen selbst. Auch ein anderer Beruf.
Die Dokumentation ist eine mögliche Kommunikationsebene, die ich hier gerne benutze.

Die Originale oder eine Ausstellung sind nochmal etwas ganz anderes.

Den Hauptaspekt meiner Arbeit und der Bewegung auf verschiedenen Ebenen kann ich mit Einzelausstellungen kaum erreichen, es sei denn durch Kontinuität.
Das Web kann zwar helfen ist aber m.E.  zu linear in der Betrachtungsmöglichkeit und nicht physisch sinnlich.
Die Vielfalt kann sogar verwirrlich werden da Raum und Zeit fehlen.

In einem grösseren Raum und Rahmen, können sich verschiedene Aspekte gegenseitig definieren, und bereichern, Relationen können entstehen, sich entwickeln, erst richtig einsehbar werden.

Nur die Originale können letztlich die entsprechende Wirkung in der sehr wichtigen ganzen Sinnlichkeit erzielen. Originalität und Virtualität haben einerseits mit Identität oder anderseits eben mit blosser Vorstellung zu tun. Da kommen in der zunehmend virtuellen Welt wohl noch grössere Verluste auf uns zu, als die  bisherigen Entfremdungen  und die  Zeitlosigkeit in Arbeitswelt und Gemeinschaft. 

Ich versuche hier Ordnungsansätze in den Zusammenstellungen welche die verschiedenen Ebenen mentalitätsmässig erfassen könnten. Ähnliche Inhalte konnten sich bei mir formal und medial verschieden ausprägen. Umgekehrt bestimmen auftauchende Inhalte die mediale und gestalterische Umsetzung, das Medium oder eine Technik. Ein Gestaltungsmittel unterstützt, verstärkt oder ermöglicht den Inhalt erst.
Die Zuordnungen zu Gruppen sind nicht immer absolut und zwingend wegen der Überschneidungen der Aspekte, resp sie könnten manchmal in drei verschiedenen Gruppen auftauchen und ergeben gerade dadurch wieder ein anderes (oder das eigentliche) Bild der Gesamtintention.
Das widerspiegelt  die  Inhalte des Gesamtwerkes.
So hatte das Jean Chrisoph Ammann begriffen und  formuliert: Wenn Du so arbeiten willst, brauchst Du ein Oevre, ein Gesamtwerk. Erst dann wird das ersichtlich.

Ich halte es durchaus für normal, dass meine Arbeit mit den Wechseln verschiedener Ebenen Probleme bereiten könnte. Ich verhalte mich von den Erwartungen an einen Künstler her ja auch nicht wirklich  normal. Insbesondere wenn ich „plötzlich“ wieder von Konventionen und Traditionen ausgehe.
Die sogenannte kontinuierliche, nachvollziehbare formale Entwicklung biete ich nicht.
Meine „Bewegungsart“ ist als Eigenheit nicht linear, bedient sich verschiedener strukturell/ inhaltlicher Ebenen mit sehr unterschiedlichen gestalterischen Mitteln.

Ich halte dies für zeitgemäss und notwendig in einer Welt wo man heute in einer Grossstadt und morgen im Urwald sein kann. Ich meine damit auch unsere immer grösser gewordene Spannung und die Diskrepanzen zwischen Natur (die wir sind oder wären) und unserer Kultur, die wir auch haben aber in Balance mit der Natur leben …sollten. Es scheint auch immer schwieriger eine Balance zwischen unserem Inneren und dem Aussen der verschiedensten Gesellschaftsformen herzustellen. Das braucht Bewusstsein, entsprechende Haltung, Mut, Freude an den Spannungsfeldern des Lebens.
Das gehört zu meiner Botschaft, wenn es denn eine gibt.

Es bedarf des Empfindens, der Bereitschaft zu Flexibilität und Kommunikation sich den Bildsprachen zu nähern. Jeder Künstler, ich meine dies hier als Qualifikation und nicht als Beschreibung eines Gebarens, ist sich seiner gestalterischen Komponenten und meist auch der Auslöser bewusst. Eine schöne Ausnahme bilden hier wohl  Naive und Irre.
Ich weiss das so genau natürlich nicht.
Ich bewundere deren Unmittelbarkeit die ich auf ganz andere Weise erreichen muss.

Bei mir sind die verwendeten Ebenen zwar bewusst oder mit der Zeit bewusst geworden. Ich benutze auch den Geist und das Narrative, wende bewusst ganz verschiedene Vorgehen an. Klare Konstruktionen, wie auch Gratwanderungen sollen sich befruchten, ergänzen, sich gegenseitig hochschieben oder aufzeigen wo sie sich im Raum positionieren, definieren oder verlieren. Im Arbeitsprozesses selber entscheiden die Empfindungen die zur Intuition geworden sind. Dahin müssen diese Bewusstheiten vorgedrungen sein, sonst bleibt man in Konstruktionen hängen. Die Bewusstheit ihrerseits wird wieder über die Arbeitsprozesse und deren Reflexionen differenziert, ausgeweitet und  verfeinert.

Es ist eine Wechselwirkung, ein Kreislauf, aber auch ein Zustand im Moment des Geschehens, ein Wachstum mit EinSichten auf verschiedenen Ebenen, ein Prozess im Sein, zum Sein, …..möglichst ohne blossen Schein.

 


1985 antwortete ich auf eine entsprechende Frage:  „alle meine Bilder heissen Areal 19 oder Glia“.   Ende Zitat. 
Das 
Areal 19 ist im Hirn zuständig für das Denken in Bildern. Glia hat scheinbar nur eine Stütz- und Hüllfunktion,  hält aber den hohen Salzgehalt im Hirn  konstant !
 Es war mir schon vor den breiten Veröffentlichungen der Hirnforschung durch die Erfahrungen im Bildschaffen klar, dass das Hirn nicht wie üblich allein dem Intellekt zugeordnet werden kann. Hier werden Schaffensprozesse emotionaler und verschiedenster Wertprägungen gesteuert, also Handlungsweisen bestimmt, Glücksempfindung gesteuert, Antriebe gelenkt usf. 
Deshalb gewann ich auch eine andere Sicht, wie  Bildungsschwerpunkte zu organisieren sind, welche Räume sie freilegen, resp. wie diese gestaltet werden sollten.
 

 

 

 

In meiner ganzen Arbeit vertrete ich ein Denken und Handeln in Bezügen.

Als Jugendlicher mit etwa 18 Jahren übte Einsteins Weltbild einen Einfluss auf mich aus. Die Relativitätstheorie habe ich mathematisch nie richtig verstanden, brauchte ich wohl letztlich auch nicht.
Der Begriff der Relativität an sich gefiel mir. Die Bezogenheit der Dinge zueinander, das Denken in Relationen das ich daraus entwickeln und festigen konnte entspricht mir und prägte mich.
Die damit gemachten Erfahrungen, bringen mich zu einer dynamischen Denk- und Handlungsfähigkeit die  zu Erfüllungen und damit zu Lebensqualität führt.
Ein Gedanke, eine Tatsache, eine Begebenheit ist nur innerhalb seiner Relationen seiner Gegebenheiten richtig (s.a. Portrait /Standpunkte). Praktisch fordert das in der Folge je nach Situation ein anderes Verhalten oder entsprechende Gestaltung. Das prägte meine Grundhaltung, brachte Flexibilität und situative Umschaltfähigkeit.
Kommen neue Komponenten hinzu (… Erkenntnisse von Bedingungen, Zusammenhänge) „relativiert“ sich eine Richtigkeit in der Regel durch den neuen Bezug. “Es“ stimmt, bezogen auf die neue Situation mit den neuen Komponenten, nicht mehr. Wenn also die Grundlage wechselt, wechselt auch die Schlussfolgerung bezüglich eines bestimmten Verhaltens, Ideals usw. Die Frage, in welchem Zusammenhang etwas zu ge-schehen hat ist massgebend.
Die eine Wahrheit gab es also nun für mich auch nicht mehr.

Das irritierte vorerst, verlangte ein temporäres Aushalten.
Ich begab mich auf den Weg für ein neues Verhalten in Beweglichkeit gegenüber dem Begegnenden und experimentierte damit. Durch dieses Verhalten ergaben und ergeben sich die entscheidenden Erfahrungen und Einsichten. Dadurch kamen auch die Arbeiten der „Konzeptionen“ mit den Auslotungen von Grenzbe-reichen, den Erweiterungen, die Fotoarbeiten und der neue Zugang zur Malerei zu Stande.
Die Konzeptionen sind also nicht konstruierte Inhalte die sogenannt umgesetzt wurden. Es ist das Verhalten und die möglichst unvoreingenommene Begegnung mit den Dingen die mir die Inhalte  eröffnen:
Ich hatte einen Weg gefunden zu schaffen.

Natürlich kann ich nur das entwickeln  was anlagemässig in mir angelegt und in den Dingen enthalten  ist. Die Dinge offenbaren mir über meine sich entwickelnde Wahrnehmung das was ich zulasse, was mir  durch meine Bereitschaft zufällt. Das ist das Einfache und Schöne daran. Ich erkenne mich oder etwas in mir, meine Auffassung der Welt, von dem was Leben  ausmacht über diese Haltung und meine Vorgehensweisen.

 

                                         
                                                   Legende:  Leitlinien. Balance von innen  1983
Das Innere bestimmt die Ausrichtung. Form in Perspektive von ausserhalb des Objekts.

 

Als Kind hatte ich einen Traum: Auf dem Gipfel eines hohen Berges auf dem Bauch liegend sah ich mit den Augen knapp über die Felskante hinweg auf eine wunderbare erhabene und erhebende Bergwelt und genoss den gewaltigen Eindruck. Dann hob ich den Kopf etwas und lugte über die Felskante auf das, was genau vor mir resp. unmittelbar hinter dem obersten Felsen lag: lauter funkelnde Edelsteine.

Ich fühlte Leichtigkeit, hatte diese Erhabenheit auf dem Gipfel, dieses Überblicks, der Felsen und Steine, der weit unten liegenden Landschaften mit den Tälern, Seen, Wäldern und Wiesen in mir. Um dann, durch das Heben des Kopfes, in Überraschung wahrnehmend was unmittelbar vor mir liegt: die in unvorstellbaren Zeiträumen zu Stein-Gestalt gewordenen Veredelungen: Edelsteine, Juwelen.
Unwichtig schien es die Steine zu nehmen und zu besitzen.

Das Bild: Geh den Weg hoch bis zu jedem Gipfel, auch wenn Du alleine gehen musst, nicht wissend was sich dir offenbart. So wirst Du erfahren, durch die Erfahrung mit der Zeit darauf vertrauen und wissen: es ist da. „Es“ ergibt sich, wenn Du unvoreingenommen oben ankommst und hinschaust.
Du wirst mehr entdecken als du dir vorstellen oder jemals annehmen kannst.
Ich erinnere mich äusserst selten an Träume. Dieser reicht ja auch.

 

In der Beweglichkeit, im Bewusstsein der Standpunkte, der Bedingtheiten gepaart mit der Risikobereit-schaft zu Erfahrungen lag und liegt für mich  die Entdeckung tragender Inhalte. Da ist „Stabilität und Glück“ zu finden. Einmal begriffen war das der Weg den ich zu gehen hatte.

Ohne diese Bereitschaft wird und ist man früher oder später enttäuscht, frustriert, verloren. Die „Fehler-quellen“, das Nichtmiteinbezogene, oft einfach auch Verdrängte, entfaltet seine Wirklichkeit und damit seine Wirkung. Dann kann Leben nicht stattfinden . Man beschränkt sich auf Funktionen, die blosse Existenz. Das muss scheitern, weil so  nur kompensatorische Befriedung stattfinden kann. Ich erreiche keine Erfüllung, keine Stabilität, keine Eigenheit. Man lebt in Vorstellungen, in Konstrukten, die immer

                                                  

          Legende:   Esperanza      unvisible performance  1979     (der vorgestellte Hund s. Text Fotoarbeiten
 

wieder neu kompensatorisch befriedigt werden müssen. Ich bin dann ein guter Konsument in Abhängigkeit. In Teilbereichen ist das ja auch in Ordnung denn „ideologische Reinheit“ ist ebenso hinderlich und fatal.

 

                                                

                                                                              Legende:    Balance  Fotoarbeit  1979

Die Balance bringt es in Natürlichkeit und der Annahme  der eigenen Gegebenheiten als (unvollkommener) Mensch. Manchmal stelle ich mir Vollkommenheit fast langweilig vor. Die Annahme seiner Selbst in Unvollkommenheit hat auch eine rhythmische Dynamik in Spannung und Entspannung, in Antrieb und Zu-versicht.

 

    Legende:  Empfinden, in sich finden    Bitumen / Bienenwachs eingegossen, Ölzeichnung    auf Holz           1985
                          Privatbesitz

 Diese Mentalität hatte einen, wohl den entscheidenden, Einfluss auf meine ganze Lebenseinstellung und damit später auf meine bildnerische Arbeit in der Kunst. Es waren keine gesuchten Inhalte die ich bildnerisch ästhetisch organisierte. Es waren nun Inhalte die sich mir über die Einnahme entsprechender Standpunkte, das Arbeitsverhalten, Verwendungsebenen der gestalterischen Elemente und die mediale Auseinandersetzung eröffneten. Sie wurden bildhaft. Es ist ein Werden, kein Umsetzen.
Die Inhalte verdichten sich somit vielfach erst im Arbeitsprozess mit der sich zeigenden Gestalt selbst.
Ich erkenne sie oft erst im Prozess, oder danach, als gültig oder zu verwerfen.

Bildschaffen wird zur Lebensform, zu einem Inhalt, einer Form des Erkennens.

 

                                                        
                                                                   Legende: die Kraft des Gelebten 110x140cm   2009

Das ist natürlicherweise eine Wechselwirkung: Nichtgelebter Inhalt kann sich nicht wirklich zeigen, so meine Erfahrung.  Im Kunstbetrieb bleibt es dann oft bei der intellektuell untermauerten Illustration.

Für mich ist es diese klassische Frage nach dem Huhn und dem Ei, was denn zuerst sei: eine Idee die in eine Form gebracht wird oder eine Lebenseinstellung, welche durch ihre Inhalte einen Arbeitsprozess auslösen und sie durch ihn bildhaft werden lässt, erkennnbar wird.
Klar ist bei mir, dass der Inhalt selten am Anfang steht. Ich beschreite Erkenntniswege.
Der Inhalt ergibt sich aus dem Arbeitsprozess, aus dem Schöpfen aus dem Gefäss das meine Person aus-macht und durch eben diese Prozesse auch immer wieder gefüllt und ausdifferenziert wird.
Die Frage, was ich ‚damit‘ ausdrücken wollte ist also bei mir eh falsch gestellt.
Ich wollte gar nichts.
Die Frage ist eher : was zeigt(e) sich da.

Über den Arbeitsprozess ergibt sich etwas, das identisch ist mit meiner Auffassung, meiner Denk- oder Sehweise.  Gleichzeitig unterstützen, differenzieren und erweitern die Arbeitsprozesse die Kapazitäten in mir und führen zu einer Handlungsfähigkeit die mich erfüllt.
Das hält mich lebendig, das ist mein Leben.

Nach aussen gesehen ist dann schon die Frage entscheidend : was enthält dieses oder jenes Bild an Gestalt, an Bezügen, das uns dadurch zum (jetzt gegebenen)  Inhalt führt.
Das erkannte ich zunehmend, d.h. die relevanten Bezugspunkte eröffnen sich mir über die Gestaltung. Die Bezugspunkte tauchen auf, nehmen Formen an, fordern Materialität, Farbigkeit, räumliche und geistige Dimensionen. Die Inhalte tauchen auf und nehmen Gestalt an.
In der Ganzheit erkannte ich es sehr oft erst als es geschöpft war, Gestalt angenommen hat. Es öffnet und festigt dann mein Empfinden aus dem heraus ich dann als Folge ohne grosse Begründungen oder Erklärungen handeln kann.

Ich erkenne mich in meiner Lebens- und Denkhaltung, in meiner sinnlichen Einstellung wieder oder banne ein Problem das „man“ mir aufoktruieren möchte in der öffentlichen Welt.
Alles andere wird ja im Prozess ohnehin verworfen.

zur  Thematik  die Arbeit :                         

                                                                                      die Frage         Fotoarbeit        1984

Das Huhn oder das Ei………..nur ……..welche Rolle spielt der Hahn—— …das ist er ja….

Das Bild kann immer etwas mehr enthalten als auf den ersten Blick aufscheint  oder man erwartet.
Dazu muss man sich  jedoch einlassen.

Je nach Standpunkt „sehe“, begreife, erkenne ich etwas anders. Es eröffnet mir eine neue Perspektive oder Dimension und ich handle vermutlich und hoffentlich in der Folge auch danach.

Die ersten Arbeiten Ende der 60-er Anfang der 70-er Jahre waren wohl deshalb auch in Relation zu Stand-punkten. Standpunkt im wahren Sinne des Wortes, dort wo man steht, stehen kann, wo ich geortet bin, wo ich einen Ort finde von dem aus ich mich bewegen kann, zu Gehen, zu Erkunden, zu Wagen ohne das Gleichgewicht zu verlieren,  im Wagnis die Unsicherheit zu ertragen, die mich erst finden lässt.
Ein Sichverlieren für Momente der Erfahrung, aus einer Stabilität heraus, geortet in mir selbst, in meinem Selbst.
So konnte ich nun über verschiedene Standpunkte im Verhalten und der adäquaten Benutzung von Bild-mitteln und Medien verschiedene Ebenen meines menschlichen Seins erforschen, damit die Ebenen der Einfälle bespielen, meine Lebenseinstellung entwerfen und festigen ohne eine Ebene (auch einen sog. Stil) davon festzuhalten oder gar zum Dogma zu erklären.

Markttechnisch ist das natürlich ungeschickt und widerspricht den immer noch gängigen allgemeinen Erwartungen in Alltag und Kunst. Das öffnete mich aber für Einsichten die tragend sind für die Ent-Wicklung von Lebensqualitäten. 
Schöpferische Arbeit machte für mich früh nur in Verbindung mit der Haltung zum Leben Sinn.

Selbstverständlich möchte auch ich Bilder verkaufen. Das gibt erweiterte Produktionsmöglichkeiten.
Dafür das Wesen der Schöpfungsprozesse zu opfern, das ging halt bei mir nicht.
Den Spagat mit der Erwerbstätigkeit habe ich ganz gut geschafft.

© Bruno Bussmann

 

 
 

 

Die Standpunktbezogenheit ist ein Hauptelement in meinem Schaffen. Durch die Verwendung adäquater Bildformen, Medien und entsprechenden Verhaltensweisen steuere ich die Inhalte im Bildausdruck. Ein Bild ist immer ein Bezugsfeld.

Um dies radikal zu klären benutzte ich Ende der 60-er und in den 70-er Jahren nicht herkömmliche ästhetische und gestalterische Mittel. Dies auch, damit die Arbeiten nicht auf dieser Ebene abgehandelt werden konnten. Der Wert sollte über die Inhalte und nicht über die ästhetische „Schönheit“ bestimmend werden.

                                        Ein inhaltliches Hauptwerk ist die Standpunktarbeit aus dem Jahre 1972

                Die Stäbe liegen parallel zu den Senkrechten in Washington, Rom, Moskau, Peking und Haarlem.

 

Die Parallelen zu den Senkrechten an anderen Orten zeigen die Bindung einer Erscheinung an einen Standpunkt (der BetrachterInnen). Hier eröffnet die Auswahl der Standorte eine weitere Dimension des Inhalts, die ideologisch / politische und subjektbezogene Dimension.

Was in Washington (Sitz einer weltbestimmenden Regierung) als senkrecht erscheint, zeigt sich 1 zu 1 parallel verschoben nach Moskau / Peking / Rom (Kirche) / Haarlem (Wohnort ) / Emmenbrücke (Herkunft) als nicht senkrecht… vom natürlichen Prinzip her „unwahr“ .
Verschiebungen von „Wahrheiten“ sind nur in deren Bezugsrahmen möglich, können also nicht als „Parallelerscheinung“ übernommen werden. Sie sind situations-, standpunktbezogen. Ich spiele hier auch mit dem Begriff des Senkrechten als dem Richtigen, Wahren (z.B. dem „senkrechten Bürger“). Ich mische als gezielte inhaltliche Ebene stellvertretend politisch/kirchliche „Standpunkte“ mit individueller Ebene der Herkunft (Bezugspunkt Emmenbrücke) und eines möglichen neuen Wohnortes (Haarlem).
Wichtig wird das neu, der individuellen Persönlichkeitsstruktur entsprechende, resp. überhaupt das Geortetsein.

Ich erachte dies als eines meiner Hauptwerke, weil es meine Mentalität selbst zum Inhalt hat und diese 1972 radikal vertritt.
Hier liegt der Ausgangspunkt und ein Schlüssel zu meinem Schaffen.

© Bruno Bussmann